Ein deutscher WM-Boykott sui generis

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My Art of Vision Newsletter (04.12.2022)

 

Wie schon 2018! Na und?

 

 

Fakt ist (wenn man glaubt, was die eigenen Augen gesehen haben), dass …

  • es in unserem Lande nicht wenige gab, die der Meinung waren, wir sollten aus politischen Gründen erst gar nicht zur WM fahren oder – nach dem FIFA-Zirkus um die Spielführerbinde und noch vor dem Japan-Kick – am besten sofort wieder beleidigt abreisen, weil es mit den Werten des (deutschen?) Fußballs prinzipiell nicht vereinbar sei, in Katar überhaupt gegen den Ball zu treten. Hinweis: Dieser Wunsch ist ja nunmehr – wenn auch etwas verspätet – in Erfüllung gegangen. So what?

  • nach vorherigen Umfragen rund die Hälfte der “Fußball-Deutschen” aus den vorbezeichneten Gründen sogar kein einziges WM-Spiel live anschauen wollte (eine Art persönlicher Protest). Insoweit ist nachträgliche Kritik, woran auch immer, schlechterdings nicht angezeigt. Oder?

  • die andere Hälfte der Bevölkerung genau das gesehen hat, was uns schon vor 4 Jahren und auch danach immer wieder geboten wurde. Wirklich überraschend war die Performance also nicht:

  • … wie erwartet ohne effiziente Verteidigung, die bereits in der gegnerischen Hälfte einsetzen muss, wenn wir den Ball verlieren (statt dessen mit 4 rechten Außenverteidigern in nur drei Spielen);

  • …nach wie vor meist ohne einen stringenten Plan gegen häufig tiefstehende Gegner (das mögen wir gar nicht), und dies selbst nach einer eigenen 1:0 Führung, die gegen Japan und Costa Rica jeweils amateurhaft verspielt wurde;

  • … ohne echten Stoßstürmer im Zentrum bereits in der Anfangsformation sowie, was am meisten schmerzt,

    • ohne den auf dem Platz erkennbaren Willen, am Ende um gefühlt (fast) jeden Preis als (fairer) Sieger vom Platz zu gehen.

    • Gary Lineker wurde jedenfalls endgültig widerlegt : Football is a simple game; 22 men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans always win. – No, that’s history!

  • Wollte man mit solchen erheblichen Defiziten tatsächlich erfolgreich sein und sogar erklärtermaßen Weltmeister werden? In welcher eigenen Pippi Langstrumpf-Welt haben unsere Kicker gelebt?

Alternative: Wie man aus fast jeder Position auf engstem Raum und selbst gegen eine Hand voll polnischer Gegenspieler quasi mit Ansage die Kugel ganz bewusst und mit voller Absicht einmal links und einmal rechts in den Torwinkel ballern kann, ohne dass der Goali auch nur den Hauch einer Chance besitzt, hat uns heute der Franzose Kilian Mbappé vorgeführt. Donnerwetter! Das war die bisher alles überragende Vorstellung eines Stürmers bei dieser WM! Ja, der Kerl hat ein außergewöhnliches Talent und ist blitzschnell. Aber im Gegensatz zu einigen unserer nicht unbegabter Elitekicker zeigt er dies mit vollem Selbstbewusstsein auf dem Platz. Und das macht halt den Unterschied.

 

Die Wahrheit ist immer auf dem Platz – so wie 1954

Nicht nur die unverwüstlichen Fußballfans, sondern die ganze Nation behält den Originalkommentar des unvergleichbaren Herbert Zimmermann im Ohr, der ihn unsterblich gemacht hat: “Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor! …“

Im Kontext des sich langsam wieder entfaltenden Selbstbewusstseins von Nachkriegsdeutschland gilt der Siegtreffer von Helmut Rahn gegen die favorisierten Ungarn bis heute als wohl berühmtestes Tor der deutschen Fußballgeschichte. Und genau diesen Moment hat doch tatsächlich ein Fotoreporter für alle Zeiten festgehalten, sodass ich ihn Euch hiermit – 68 Jahre danach – authentisch präsentiere (das Bild kannte ich bisher selbst noch nicht – *kaumzuglauben*):

 

Das berühmte Siegtor (3:2) von BERN 1954 durch "Boss" Helmut Rahn.
Das berühmte Siegtor von BERN 1954 durch “Boss” Helmut Rahn.

Man braucht solche Siegertypen, die es können und auch wollen, mehr wollen als der Gegner, und die fest daran glauben, dass es gelingt. Das nannte man früher “die deutschen Tugenden”, was häufig zu unseren Gunsten den Ausschlag gab. Und damit ist alles gesagt. AMEN!

 

Schlussfrage: Warum regen wir uns eigentlich künstlich über diese ziemlich absehbare Pleite auf, als wäre Fußball soooo viel wichtiger als die Probleme dieser Welt, die uns jeden Tag in den Abgrund schauen lassen: Krieg, Naturkatastrophen, Klimawandel, Artenschutz, Flüchtlinge, Inflation, Gaspreisdeckel, Pflegenotstand, Wohnungsmangel etc. pp? Die Frage ist ernst gemeint.  🙁

Robert Bauer


Anhang
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Weitere Karikaturen (als Zugabe).

Hinweis: Die Urheberrechte liegen bei den Zeichenkünstlern. Ich gehe davon aus, dass diese gegen die vorliegende Verwendung keine Einwendungen erheben.

 

 

 

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